Wildfang alias Sito

In meiner Nachbarschaft war eine süsse Dobermannhündin um die ich mich auch mit gekümmert habe. Ich habe mit dem Besitzer immer wieder über eine Kastration geprochen, aber das wollten sie auf keinen Fall. Sie wollten die Hündin (Lady hies sie) unbedingt decken lassen. Die Welpen wollten sie teuer verkaufen. Wochenlang habe ich versucht ihnen diesen Plan auszureden, aber sie waren stur und wollten Babys von Lady.



Dann war Lady alt genug und sie haben sie decken lassen. Ich war sehr traurig darüber, weil ich wusste das die armen Welpen als Kettenhunde enden werden. Lady bekam 10 Welpen, bei der Geburt sind zwei gestorben. Ich würde sagen sie hatten Glück, denn ihnen blieb ein schlimmes Schicksal als Kettenhund (oder schlimmeres) erspart.
Es waren natürlich süsse Babys und ich bin täglich zu den Besitzern gegangen und habe mich um die Welpen gekümmert. Ich habe sie entwurmt, ihnen gutes Welpenfutter gegeben und mit ihnen gespilt. Es waren zwei braune Welpen dabei, die es mir besonders angetan hatten.

Als die Babys acht Wochen alt waren wurden sie verschenkt, weil natürlich keiner bereit war Geld für die Tiere zu bezahlen. Genau das hatte ich den Besitzern vorher schon gesagt aber sie wollten ja nicht hören. Die Welpen mussten also schnell weg, weil sie nervig wurden. Ich war sehr traurig, weil ich wusste was für ein Leben sie nun zu erwarten hatten.

Was sollte ich machen? Ich konnte sie nicht nehmen. Ich hatte keinen Platz und kein Geld um acht Welpen aufzuziehen und sie für Deutschland ausreisefertig zu machen. In solchen Momenten möchte ich am liebsten meine Koffer packen und einfach abhauen um das ganze Elend nicht mehr sehen zu müssen.

Ungefähr 6 Wochen später ich war mit meinem Fahrrad unterwegs um "meine" Straßenhunde zu füttern. Als mich ein Mann anhielt und sagte er habe auch einen Hund und den ich sollte mir mal anschauen. Natürlich bin ich mit gegangen....
Vorgefunden habe ich einen viel zu dünnen und verängstigten Hund, zusammengekauert in einer Ecke, an einer viel zu kurzen Kette. Als ich näher ran kam hat der Hund vor Angst und Panik schrecklich geschrien. Dann erkannte ich einen "meiner" brauner Dobermannwelpen. Auf Nachfrage bestätigte mir der Besitzer, dass dies ein Welpe von Lady war. Ich bin sofort nach Hause geradelt und habe eine dicke Decke. sowie Futter und eine lange Leine geholt.
 
Von diesem Tag an bin ich täglich zu "meinem" kleinen Dobi gefahren und habe ihn versorgt.
Nach ein paar Tagen hatte er auch Vertrauen zu mir. Ich konnte mit ihm kuscheln, spielen und toben. Wieder einige Tage späterkonnte ich ihn mit auf meine Spaziergänge nehmen.
Er war super glücklich, dass er endlich einmal etwas erleben durfte und nicht 24 Stunden an der Kette liegen musste. Der Kleine blühte richtig auf und war gar nicht mehr zu bändigen auf den Spaziergängen und weil er so wild war habe ich ihn Wildfang genannt.



Schnell haben die Besitzer gemerkt, dass die dumme Gabi täglich kommt und sich um hren Hund kümmert. Na super haben sie sich gedacht, dann brauchen wir ihm ja jetzt gar nichts mehr geben. Nicht das sie sich vorher gross um ihn gekümmert hätten. Nein das sehen die hier ja nicht so eng Wasser und Fressen muss ein Hund ja nicht täglich haben und eine Hütte oder sogar eine Decke sind ja total überflüssig. Also habe ich dies alles für Wildfang besorgt.



Ich habe diesen Hund so sehr geliebt ich wollte nicht zulassen das er so ein leben führen muss. Ich habe immer wieder versucht die Leute zu überreden, dass sie mir Wildfang geben. Leider wollten sie nicht. Einige Wochen später kam Rahel uns besuchen. Natülich habe ich ihr Wildfang gezeigt. Auch Rahel war hin und weg von ihm und sagte sie wüsste jemanden in Deutschland der einen Dobermann sucht. Ich war wie vor dem Kopf gestossen. Sollte es wirklich eine Chance für meinen Wilfang geben?
Ich wollte natürlich das Wildfang nach Deutschland geht und ein schönes Leben in einer lieben Familie führen darf. Aber wie sollte ich die Besitzer überzeugen mir den Hund zu geben? Ich musste mir etwas einfallen lassen.

Am nächsten Tag bin ich zu den Besitzern gegangen und habe ihnen gesag,t dass ich Wildfang jetzt nicht mehr versorgen kann, weil er nun gross genug sei und ich viele andere Hunde habe um die ich mich kümmern muss. Da bliebe keine Zeit mehr für Wildfang. Das war ihnen erst mal egal.
Ich habe Wildfang natürlich nicht unversorgt gelassen, ich bin dann immer Abends im Dunkeln hin und habe ihn gefüttert, nur die Spaziergaenge konnte ich nicht mehr mit ihm machen. Zwar tat mir sehr leid, aber ich habe gedacht wenn die Leute wissen das ich kein Interesse mehr an dem Hund habe werden sie ihn mir irgendwann geben.

Eines Tages bin ich wie jeden Tag die grosse Strasse gefahren um "meine" Straßentiere zu versorgen, als mich die Frau in ihren Garten rief. Als ich fragte was sie möchte sagtesie mir, ich soll den Hund mitnehmen. Ich habe gedacht, dass ich es vielleicht nicht richtig verstanden habe und habe mehrmals nachgefragt bis ich endlich kapiert hatte das sie mir Wildfang geschenkt hat. Ihr war der Hund zu stressig sagte sie und da ich mich ja nicht mehr um ihn kümmere hat sie die Nase voll.
 
Ich habe Wildfang auf den Arm genommen und vor Glück und Erleichterung geweint. Die Frau hat mich angesehen wie ein Auto. Sie hat bestimmt gedacht wie kann man nur heulen wenn man einen Hund geschenkt bekommt?! Die meisten Menschen hier sind ja froh wenn sie die Tiere los werden und die doofe Deutsche heult wenn sie zu ihren vielen Hunden die sie schon hat noch einen dazu bekommt. Wildfang durfte dann nach Deutschland fliegen darüber war ich sehr glücklich und habe am Flughafen wieder geweint vor Glück.


Eins hätte ich fast vergessen. Die Besitzer von Lady wollten Lady dann auch nicht mehr haben, da es nicht geklappt hatte Geld mit ihren Welpen zu verdienen. Also habe ich Lady genommen und bis zu ihrer Ausreise nach Deutschland bei einer Freundin untergebracht. Auch Lady lebt jetzt glücklich in Deutschland.